Definition des Plaisirkletterns

Was ist Plaisirklettern?

Der Begriff Plaisierklettern ist, selbst unter Kletterern, nicht übermäßig bekannt. Oftmals führt die Nennung dieses Namens zu fragenden Gesichtern. Welche Spielart des Kletterns sich dahinter verbirgt, kann jedoch nur eine Minderheit beurteilen. Die Nachfolgende Definition und weitere Erläuterungen soll Lichts in Dunkle bringen.

Geschichte und Entstehung des Begriffs Plaisirklettern

Die erste "verbriefte" Nennung des Begriffs erfolgte bereits 1992 durch Jürg von Känel. Der Schweizer Alpinist, Sportkletterer, Verleger und Autor veröffentlichte in diesem Jahr einen Kletterführer mit dem Namen „Schweiz Plaisir“. Der Kletterführer erschien in seinem eigenen Verlag namens "Filidor", der bis heute besteht und diverse Plaisir-Kletterführer vertreibt. 

Der Gedanke soll Känel etwa zwei Jahre zuvor gekommen sein. Er blickte in dieser Zeit auf eine spektakuläre Erstbegehung und vermutlich den Höhepunkt seiner Spitzernkletterer-Karriere zurück: die Sportkletterrouten "Mission Miranda" (Schwierigkeitsgrad X+/XI- bzw. 8c) gehörte in dieser Zeit zu den schwierigsten. Die im Topklettergebiet Lehn (Berner Oberland) gelegene Route zeichnet sich durch eine überhängende Kante und ihre Kleingriffikgkeit aus. Bis heute sind nur wenige Wiederholungen gelungen.

Jürg von Känel wurde am 13. Mai 1951 in Reichenbach (Schweiz) geboren. Dort verstarb er im Alter von nur 53 Jahre am 6. Januar 2005. Während auf der Homepage des Verlags Filidor nur von einem "tragischen Tod" die Rede ist, schreibt Wikipedia, dass Känel Selbstmord begangen habe.

Herkunft des Begriffs Plaisirklettern

Der Begriff wurde in Anlehnung an die französische Sprache gewählt. Die Vokabel "plaisir" steht dort für "Genuss". Weitere, teilweise etwas freie, Übersetzung sind Vergnügen, Freude, Lust und Spaß - alle Begrifflichkeiten, die mit dem Plaisirklettern in Verbindung gebracht werden können und sollen.

Kriterien für Plaisirrouten

Plaisirkletterer schätzen die Bewegung in der Natur und das Erlebnis mit direktem Felskontakt. Dabei wird jedoch zusätzlich danach gestrebt das Risiko so weit zu minimieren, dass objektiv von einer risikofreien* Route gesprochen werden kann. Damit eine Route als Plaisirroute bezeichnet werden darf, hat Känel die folgenden, bis heute akzeptierten, Anforderungen aufgestellt:

  • leichter bis moderater Schwierigkeitsgrad, etwas bis zum Grad 7+ (UIAA)
  • eine gute Absicherung mit Bohrhaken
  • ein eher kurzer und risikoarmen Zu- sowie Abstieg.

In Summe soll in den Routen ein sicheres Klettern für jedermann möglich sein. Tatsächlich sind Plaisirrouten für Erwachsene und Kinder gleichermaßen geeignet.

* Wichtiger Hinweis

Es ist mir ein Anliegen deutlich darauf hinzuweisen, dass ein Risiko niemals vollständig ausgeschlossen werden kann. Gerade in Gebirgen bedarf es eines umfangreichen Wissens sowie routiniertem Umgang mit allen Teilen der Ausrüstung um das Gefahrenpotenzial zu minimieren. Die Klassifizierung als Plaisirkletterei sollte nicht mit einem Siegel "Ungefährlich für jedermann" verwechselt werden.

Allgemein kann jede Kletterroute seit dem Erscheinen einer Beschreibung eine Veränderung erfahren haben. Beispielsweise kann das Ausbrechen von Griffen oder Tritten zu einer gesteigerten Schwierigkeit führen. Auch der Zustand der Bohrhacken kann sich im Laufe der Zeit verschlechtern. 

Ein weiterer Nachteil mancher Plaisir-Klettergebieten oder -Routen ist, dass diese zunehmen "abgespeckt" sind. Dies bedeutet, dass sich durch die häufige Besteigung die Felsoberfläche der ständig benutzten Griffe und Tritte zu einem glatten, marmorartigen Gestein wandelt. Dies wiederum verschlechtert die Reibung und kann dementsprechend die Route erschweren.

Verlässliche Informationen über den Zustand einer Route erhält man von erfahrenen Kletterern, die diese jüngst begangen haben. Eine weitere Möglichkeit, die jedoch mit der gebotenen Vorsicht angewandt werden sollte, ist die Recherche im Internet (v.a. Anfragen in Foren).

Insgesamt ist das Plaisirklettern neben dem Hallenklettern die am weitesten verbreitete Spielform des Sportkletterns und eine bedeutende Komponente der Entwicklung des nicht primär leistungs- und schwierigkeitsorientierten Breitensports.